Zwei Paragrafen des nordrhein-westfälischen Schulgesetzes beantworten die Frage nach dem Notenschlüssel für NRW — allerdings nicht mit Prozentwerten.
§ 70 weist der Fachkonferenz die Aufgabe zu, Grundsätze zur Leistungsbewertung zu beschließen. § 48 sagt, woraus eine Note überhaupt bestehen muss. Zusammen ergibt das eine Zuständigkeit und eine Schranke, aber keine Tabelle.
Die Zuständigkeit liegt bei der Fachkonferenz
Das ist keine Auslagerung einer unbequemen Entscheidung, sondern die Systematik: Der Maßstab soll dort festgelegt werden, wo das Fach beurteilt werden kann.
Für die Praxis hat das eine Folge, die im Konfliktfall entscheidend wird. Wer in NRW gefragt wird, warum die Vier bei 45 Prozent beginnt, kann sich nicht auf das Ministerium berufen. Die tragfähige Antwort ist ein Konferenzbeschluss — und wenn es keinen gibt, wird die Antwort dünn.
Wie sich ein solcher Beschluss formulieren lässt, damit er die Diskussion für mehr als ein Halbjahr trägt, steht unter Notenschlüssel im Kollegium festlegen.
Was § 48 tatsächlich begrenzt
Die praktisch schärfere Regel betrifft nicht den Schlüssel, sondern die Zusammensetzung der Note. § 48 Abs. 2 verlangt, dass sonstige Leistungen im Unterricht in die Bewertung eingehen.
Daraus wird abgeleitet, dass eine Note, die fast ausschließlich auf Klassenarbeiten beruht, angreifbar ist. Das verschiebt den Punkt, an dem eine Bewertung in NRW kippt: nicht bei einer ungewöhnlichen Prozentgrenze, sondern bei einer Zeugnisnote, die sich rechnerisch vollständig aus den schriftlichen Arbeiten ergibt.
<<QUELLE PRÜFEN: Die Ableitung aus § 48 Abs. 2 Satz 3 stammt aus anwaltlicher Sekundärdarstellung. Vor einer zugespitzten Formulierung mit einer verwaltungsgerichtlichen Entscheidung belegen>>
Wie sich mündliche und schriftliche Anteile verrechnen lassen, ohne dass die Gewichtung beliebig wird, steht unter Noten gewichten.
Warum trotzdem überall dieselben Zahlen kursieren
Weil sich eine Konvention durchgesetzt hat, die niemand angeordnet hat. Der lineare Schlüssel mit gleich breiten Bändern ist verbreitet, weil er sich am leichtesten begründen lässt — nicht, weil er in NRW gilt.
Dieses Werkzeug rechnet mit 85, 70, 55, 40 und 25 Prozent. Die Bänder sind bis zur Fünf gleich breit; die Sechs deckt den gesamten Rest darunter ab und ist damit deutlich breiter als die übrigen Stufen. Das ist die übliche Bauform, aber es ist eine Konvention und keine Vorgabe des Landes.
Wenn Ihre Fachkonferenz andere Grenzen beschlossen hat, tragen Sie sie im Generator ein.
Wenn die Grenzen sich unterscheiden
Genau das ist in NRW der Normalfall. Zwei Nachbarschulen können bei derselben Punktzahl unterschiedliche Noten vergeben, und beide sind im Recht, solange der Maßstab beschlossen und vorher bekannt ist.
Für Schülerinnen und Eltern ist das die häufigste Quelle für Irritation: Der Rechner im Netz zeigt eine Drei, das Blatt zeigt eine Vier. Warum das kein Fehler ist, steht unter Rechner zeigt eine andere Note.