Berechnungen
Notendurchschnitt berechnen: Punkte mitteln oder Noten mitteln?
Notendurchschnitt berechnen: Ob Sie Prozentwerte oder Noten mitteln, verändert das Ergebnis um eine ganze Stufe. Warum das so ist und welche Regel gilt.

Felix Schneider
Lehrkraft für Physik und Chemie
Über 20 Jahre Unterrichtserfahrung an Gymnasium und Berufskolleg. Er schreibt zu Notenschlüsseln, Benotung und Zeugnisnoten — aus der täglichen Korrekturpraxis, nicht aus dem Lehrbuch.
Drei Arbeiten, ein Halbjahr, eine Zahl am Ende. Die Formel für den Notendurchschnitt ist die schlichteste in diesem ganzen Themenfeld — Summe durch Anzahl. Trotzdem kommen zwei Lehrkräfte mit denselben Ergebnissen regelmäßig auf verschiedene Werte, weil eine Frage davor unbeantwortet bleibt: Wird über die Prozentwerte gemittelt oder über die daraus gebildeten Noten?
Dieselben drei Arbeiten, zwei Durchschnitte
Eine Schülerin erreicht in drei Arbeiten 69, 69 und 84 Prozent. Nach dem verbreiteten linearen Schlüssel — Zwei ab 70, Drei ab 55 — sind das die Noten 3, 3 und 2.
| Rechenweg | Zwischenschritt | Ergebnis |
|---|---|---|
| Über die Prozentwerte | (69 + 69 + 84) ÷ 3 = 74 % | Note 2 |
| Über die Noten | (3 + 3 + 2) ÷ 3 = 2,67 | Note 3 |
Eine ganze Notenstufe Unterschied, und kein Rechenfehler auf beiden Seiten.
Der Grund liegt darin, dass die Umrechnung in eine Note Information wegwirft. 69 Prozent und 55 Prozent werden beide zur Drei, obwohl die eine Leistung knapp unter der Zwei liegt und die andere am unteren Rand des Bandes. Wer zuerst in Noten umrechnet und dann mittelt, mittelt bereits gerundete Werte — und die Rundung war in diesem Fall zweimal nach unten gerichtet.
Umgekehrt gilt das genauso: Bei 55, 55 und 84 Prozent führen beide Wege zur Drei. Die Abweichung tritt nicht immer auf, sondern dann, wenn die Einzelwerte nahe an den Bandgrenzen liegen. Sie ist deshalb tückisch — sie fällt monatelang nicht auf und trifft dann einzelne Schülerinnen und Schüler.
Welcher Weg ist der richtige?
Es gibt dafür keine landesrechtliche Vorgabe. Beide Wege sind vertretbar, sie beantworten nur verschiedene Fragen: Der Weg über die Prozentwerte fragt, wie viel die Schülerin insgesamt geleistet hat. Der Weg über die Noten fragt, wie ihre Leistungen jeweils bewertet wurden.
Praktisch spricht einiges für den Weg über die Prozentwerte, weil er die feinere Information erhält. Er setzt allerdings voraus, dass alle Arbeiten mit demselben Schlüssel bewertet wurden und vergleichbar schwer waren — sonst mittelt man Werte, die nicht dieselbe Bedeutung haben.
Entscheidend ist weniger, welchen Weg Sie wählen, als dass Sie ihn festlegen und beibehalten. Ein Wechsel mitten im Halbjahr erzeugt genau die Abweichungen, die später niemand mehr erklären kann.
Die Notenskala misst nicht gleichmäßig
Hinter dem Befund steckt eine Eigenschaft der Skala selbst, die beim Mitteln stillschweigend ignoriert wird. Rechnet man die Bänder des linearen Schlüssels in Prozentpunkte um, sind sie nicht gleich breit:
| Note | Prozentband | Breite |
|---|---|---|
| 1 | 85–100 | 16 Punkte |
| 2 | 70–84 | 15 Punkte |
| 3 | 55–69 | 15 Punkte |
| 4 | 40–54 | 15 Punkte |
| 5 | 25–39 | 15 Punkte |
| 6 | 0–24 | 25 Punkte |
Die Sechs ist zwei Drittel breiter als jede andere Stufe. Sie muss es sein, weil unterhalb der Fünf noch der gesamte Rest der Skala liegt. Das heißt aber: Der Schritt von der Fünf zur Sechs bedeutet etwas anderes als der Schritt von der Zwei zur Drei, obwohl beide beim Mitteln als „eins" gezählt werden.
Wer also eine Sechs im Notensatz hat, arbeitet mit einer Zahl, die für eine besonders breite und besonders tief liegende Spanne steht. Das ist kein Argument gegen den Durchschnitt, aber eines dafür, ihn nicht für präziser zu halten, als er ist. Warum manche Schlüssel deshalb bewusst mit ungleichen Bandbreiten arbeiten, steht im Ratgeber zum Notenschlüssel mit Knick.
Runden ist eine Festlegung, keine Rechenregel
Bleibt der letzte Schritt. Ein Durchschnitt von 2,67 wird zur Drei, 2,45 zur Zwei — jedenfalls beim kaufmännischen Runden. Zwingend ist das nicht: Manche Schulen runden bis 2,5 nach unten, andere ziehen die Grenze bei 2,4, wieder andere vergeben Tendenznoten und runden gar nicht.
Bei Grenzwerten zwischen 4 und 5 wiegt die Festlegung besonders schwer, weil an dieser Stelle die Versetzung hängen kann. Wer dort eine Regel anwendet, sollte sie benennen können.
Wann der Durchschnitt überhaupt maßgeblich ist
Hier ist eine Einschränkung nötig, die den ganzen Rechenweg relativiert: Die Zeugnisnote ist rechtlich kein Durchschnitt. Das Schulgesetz verlangt, dass beide Beurteilungsbereiche angemessen berücksichtigt werden, und der Kommentar zur Ausbildungs- und Prüfungsordnung stellt ausdrücklich klar, dass daraus kein arithmetisches Mittel folgt. In der gymnasialen Oberstufe genügt eine rein rechnerische Ermittlung sogar ausdrücklich nicht. Die Einzelheiten und die Fundstellen stehen unter Noten gewichten.
Der Durchschnitt ist damit ein Orientierungswert, den Sie brauchen, um die Gesamtbeurteilung zu stützen — nicht das Ergebnis, das Sie eintragen. Wo er dagegen unmittelbar zählt, ist bei Prüfungen mit festgelegten Bestehensregeln, etwa in der IHK-Abschlussprüfung.
Die Einzelnoten, aus denen der Durchschnitt entsteht, erzeugen Sie mit dem Notenschlüssel-Generator; die Klassenauswertung dazu unter Notenspiegel erstellen.
Stand: 1. November 2026. Orientierungshilfe, keine Rechtsberatung.